Wie mich ein Butternut auf die Spur von ADHS brachte.
Als ich begriff, dass ich mit ADHS lebe, war ich 47 Jahre alt, Inhaber einer eigenen Firma, meine Kinder fast alle aus dem Haus – gefühlt also schon ein gutes Stück durchs Leben durch.
Und wie kam es dazu?
Wir leben auf einem alten Bauernhof – mit Hasen und zwei Hängebauchschweinen. Meine Lebensbegleiterin ist passionierte Gärtnerin und hatte Kürbisse angebaut, bei deren Pflege ich teilweise mitgeholfen hatte. Sie erzählte mir eines Tages völlig erschöpft, wie schlecht es ihr an dem Tag gegangen war, als sie die gut zehn makellosen Kürbisse geerntet hatte.
Zwei Tage später wollten wir gerade zusammen frühstücken gehen, da fragte sie, im Türrahmen stehend: „Warum sind die Kürbisse angeschnitten?“ Ich antwortete klar und mit bestem Gewissen: „Na, Tierfutter!“ Und meinem Schatz fiel das Gesicht auseinander. „Du hast nicht unsere besten Kürbisse an die Schweine verfüttert?!“ „Doch“, sagte ich kleinlaut. „Die standen da.“
Was dann folgte, war ein heftiger, tränenreicher Streit. Und wir stellten fest, dass ich entweder böse bin – oder ein kognitives Problem habe. Und böse bin ich halt nicht wirklich. Irgendwie kamen wir dann auf ADHS zu sprechen. Nachdem ich sie etwas beruhigen konnte, gingen wir doch noch frühstücken. Auf dem Weg dorthin sagte ich: „Komm, lass uns noch in unsere Lieblingsbuchhandlung gehen – vielleicht finden wir etwas zu ADHS.“ Und prompt stand da in einem Regal:
ADHS – einfach erklärt. Mein Schatz schlug es auf, und ich rief: „Da sind viele Bilder drin – das kann ich lesen – das kaufen wir.“ Das Gespräch beim Frühstück war lang, intensiv, nachdenklich und stellenweise trotzdem lustig. So begann meine Reise mit erkanntem ADHS.

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