Kreativität sollst du nicht messen?

Vor drei Wochen wurde ich gefragt, ob ich diesen Gastbeitrag schreiben möchte. Ich habe mich gefreut und dann passierte: nichts.

Nicht, weil ich keine Ideen hatte. Eher das Gegenteil. Mein Kopf ist voller Gedanken. Aber wenn alles gleichzeitig laut ist, hat das denselben Effekt, als wäre alles leise.

Ich kenne das gut. Ich schreibe seit Jahren regelmäßig, veröffentliche Bücher, starte ständig neue kreative Projekte und entdecke überall Inspiration. Kreativität gehört zu meinem Alltag. Gleichzeitig musste ich lernen, dass unter Druck erstaunlich viel still steht. Das habe ich in keiner der verschiedenen Projektmanagementausbildungen gelernt!

Zurück zu diesem Text: Irgendwann habe ich aufgehört, ihn erzwingen zu wollen. Ich habe mir erlaubt, ihn auch erst nächstes Jahr zu schreiben, wenn es eben so wäre. Und genau in diesem Moment wurde aus einer Pflicht wieder ein Spiel. Plötzlich war mir das Thema glasklar. Wie hatte ich es nicht erkennen können? Und der Text floss fast von allein aus meiner Feder.

Das erinnert mich an ein weit verbreitetes Management-Mantra: „If you can’t measure it, you can’t improve it.“ Das hat uns lange geholfen, Prozesse effizienter zu machen. Doch heute, wo Standardisierung und Automatisierung immer günstiger und durch KI für fast jedes Unternehmen verfügbar werden, entsteht echter Wettbewerbsvorteil woanders.

Nicht durch noch mehr Effizienz, die hat eine natürliche Grenze. Stattdessen geht es immer stärker darum, Wissen zuverlässig in neue Ideen zu verwandeln.

Kreativität ist vielleicht nicht planbar, aber sie entsteht auch nicht zufällig. Sie braucht Rahmenbedingungen, in denen Gedanken wandern, sich verbinden und Neues entstehen darf.

Diese Rahmenbedingungen kannst du gestalten. Genau darin liegt heute einer der größten Hebel für Innovation. Für mich gehören dazu großzügige Zeitfenster, spielerisches Ausprobieren und die Erlaubnis, mehrere Ideen gleichzeitig zu verfolgen. Erst dann entsteht der Flow, in dem sich Gedanken verbinden und wirklich Neues entstehen kann.

Gerade neurodivergente Mitarbeitende bringen häufig genau die Fähigkeiten mit, nach denen Unternehmen heute suchen: ungewöhnliche Perspektiven, Mustererkennung, intensive Neugier und die Fähigkeit, Wissen neu miteinander zu verknüpfen. Das Problem ist selten fehlendes Potenzial. Das Problem ist, dass dieses Potenzial unter den falschen Rahmenbedingungen unsichtbar bleibt.

Wenn ich Teams begleite, frage ich selten direkt nach Kreativität. Ich frage nach den Rahmenbedingungen. Denn oft sitzen dort Menschen, die voller Ideen sind, aber ihre Energie darauf verwenden, sich anzupassen, Erwartungen zu erfüllen oder ständig zwischen Prioritäten hin- und herzuschalten.

Welche Rahmenbedingungen deine Kreativität braucht, sind so individuell wie du selbst – oder dein Team.
Monika Wolff – Flow by Wolff


Du hast den Eindruck festzustecken oder bist neugierig, welche Bedingungen deine Kreativität fördern? Lass uns darüber sprechen – egal ob als Kreativschaffende:r, Selbstständige:r oder Führungskraft. Denn Kreativität ist vielleicht nicht planbar, die Bedingungen, unter denen sie entsteht, aber schon.
flowbywolff.eu


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