
Klammern, Listen, Schlüsselbänder
Eine der größten Herausforderungen bei ADHS ist für mich die Kombination aus Vergesslichkeit, fehlender Struktur und dem, was danach kommt. Denn es ist ja selten nur:
„Oh, ich habe etwas vergessen.“
Es ist eher:
Ich will zu einem Termin. Ich packe alles zusammen, von dem ich denke, dass ich es brauche – sofern ich es finde. Dann bin ich unterwegs und plötzlich fällt mir ein: Die Basics fehlen. Geldbeutel. Handy. Irgendwas Wichtiges.
Jetzt beginnt das innere, nervende Planspiel.
„Drehe ich nochmal um und riskiere eine Verspätung?
Fahre ich weiter und bin schlechter vorbereitet?
Oder merke ich erst viel zu spät, dass ich ohne Jacke losgefahren bin, weil beim Start die Sonne schien – der Termin aber bis abends geht? Das stresst. Das schwächt meine Performance. Und das verstärkt bei mir genau die exekutive Dysfunktion, die ich eigentlich gerade so gar nicht gebrauchen kann. So war es zumindest bisher.
Dann kamen mir ein paar Ideen.
1. Die Klammer am Schlüsselbund
Eine meiner simpelsten, aber besten Lösungen: eine Klammer am Auto- oder Hausschlüssel. Wenn bei einer geplanten Tour etwas außer der Reihe mit muss – zum Beispiel ein Briefkuvert, Wertstoff, ein Einkaufszettel oder Material für einen Termin – kommt einfach ein Zettel an die Klammer. Darauf steht dann zum Beispiel: „Kiste Jugendfeuerwehr + Brief“. Und der Clou ist: Ich darf es danach sofort wieder vergessen. Denn spätestens, wenn ich nach dem Schlüsselbund greife, um loszufahren, sehe ich die Erinnerung. Spätestens dann hole ich die Sachen und fahre deutlich entspannter los.
Sehr wirksam. Eine Klammer zum Loslassen.
2. Digitale Packlisten für wiederkehrende Termine
Ein weiterer Hack: vorbereitete digitale Listen. Ich habe mir in meinem CRM Listen gebaut. Nicht, weil ich so unfassbar strukturiert bin, sondern weil ich es eben nicht bin. Da gibt es zum Beispiel:
Basics – müssen immer mit: Geldbeutel, Handy, Schlüssel, Getränk und so weiter.
Optional, aber eventuell wichtig: Ladegerät, Powerbank, Unterlagen, Material.
Und jetzt kommt der eigentliche Clou: Für bestimmte Termine kann ich eigene Listen aufklappen. Bis hin zu Unterpunkten. Zum Beispiel:
Zeichenkurs Kinder – Kursstufe 4: Kopf zeichnen. Dann sehe ich nacheinander alle Dinge, die ich mitnehmen muss, als einzelne Listenpunkte.
(Hier die Eierköpfe und das Kopfmodell) Und ich kann sie einfach abhaken.
Ich kann sogar einstellen, das ich die Liste nicht schließen kann, bevor alles eingepackt ist. Und: ich muss nicht alles auf einmal packen.
Hier kannst du eine Testliste sehen. Das nimmt meinem Kopf Arbeit ab. Und genau das ist der Punkt. Mein Gehirn muss nicht alles gleichzeitig halten. Es darf abgeben.
3. Schlüsselbänder – das Retrorelikt rettet Nerven
Schlüsselbänder. Ja, genau. Diese Dinger aus den 2000ern. Bei ADHS können sie erstaunlich entspannend wirken. Alles, was klein ist, wichtig ist und sich gerne in meinem kreativen Chaos tarnt, bekommt ein Schlüsselband. Geldbeutel. Autoschlüssel. Dinge, die sich sonst innerhalb von Sekunden unter Blättern, Büchern, Jacken oder mysteriösen Papierstapeln verstecken. So weiß ich zum Beispiel: Ah, das hellblaue Band ist der Autoschlüssel. Er ist da. Ich sehe ihn. Ich muss nicht schon wieder eine archäologische Ausgrabung starten. Außerdem kann ich die Schlüsselbänder unterwegs mit einer einfachen Doppelschlinge an der Gürtelschlaufe befestigen. Dadurch suche ich nicht ständig nach Geldbeutel oder Schlüssel. Und ich habe weniger Angst, etwas zu verlieren, liegenzulassen oder mir klauen zu lassen. Oder den Geldbeutel mal wieder an der Kasse im Geschäft zu vergessen.
Kleine Hilfen, große Wirkung
Alle diese Hacks kosten wenig bis gar kein Geld. Aber sie sparen mir jede Menge Nerven. Und vor allem Zeit.
Es sind kleine externe Geländer für einen Kopf, der gerne mal fünf Richtungen gleichzeitig spannend findet. Und wenn ein Zettel am Schlüssel, eine Liste im Handy oder ein hellblaues Band dafür sorgt, dass ich entspannter loskomme, dann ist das kein Trick.
Das ist Selbstfürsorge mit Grips und Klammer.

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